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RENNSTEIG . . .

 . . .  ohne Gepäck aber mit Gitarre, Tipps, Ablauf mit Quartieren, €€-s und Wertung, Fazit;  7 Tage, 170 km.

Rennsteig - WanderkarteWandergitarref-re-52-wegestein-RTIPPS:
1) Die meisten erreichbaren Webseiten bieten für den Rennsteig keine verwendbaren Wanderkarten außer zum kaufen; die kosten, wiegen, enthalten keine Quartierangaben mit €€,-, Kritik und Telefonnummern, und sind nie ganz aktuell. Ich verwendete ein gegen eine kleine Gebühr bei der „Thüringen-Tourismus” GmbH erhaltbares Faltblatt, das ich wegen besserer Hantierbarkeit unten abschnitt und andersrum wieder anklebte.

2) ÜBERNACHTUNGEN: Die erreichbaren Webseiten bieten nur kommerzielle  Rennsteig – Wanderangebote mit Gepäcktransfer usw. sowie Online-Bestellformulare für Quartiere. Bei den angegebenen Quartieren waren daher sogar zur Vermeidung von privaten Direktkontakten „außenherum“ absichtlich keine Telefonnummern angegeben. Ausnahme: >rennsteigverein.de< ; dort sind die Quartiere mit Tel.-Nummern entlang der Tour aufgelistet wie die Perlen auf der Schnur, ich habe sie auf meiner „Wanderkarte“ laut 1) notiert. So kann man vom „Steig“ aus, wenn sich Müdigkeit, Hunger und Durst abzeichnen, per Handy ein Quartier anwählen.

3) Für Schlafsack-Wanderer ist der Rennsteig ideal: es sind über 100 Schutzhütten am Weg.

4) „TOTE HOSE“  ist auf dem Rennsteig in der von mir, aus anderen Gründen jedoch, gewählten Zeit etwa  von Mitte Juni bis Mitte Juli. Ab Mitte April bis Mitte Oktober ist sonst „Betrieb“. Vorteil: ich fand immer „oben“ auch ohne Handy-Kontakt ein Quartier am Wegesrand, musste also nicht „absteigen“, wie ich es vorher in der Szene oft hörte. Auch für kleine Gruppen dürfte dies gelten. Nachteil, vor allem für „Alleinwanderer“ wie ich: etwas Geselligkeit, ein netter und lustiger Abend mit Wanderern, anderen Touristen und Einheimischen ist nicht immer zu finden, man muss schon suchen.

5) KOSTEN: Ich zahlte als Alleinwanderer für „ÜF“ zwischen 25,- und 39,- Euro und die nur im Spießberghaus, siehe Tag 2)! Im Doppelzimmer ist das zwischen 1/4 und 1/3 billiger. Die Preise für das Essen, das mir immer gut schmeckte, und für die Getränke waren angemessen.

ABLAUF, EINDRÜCKE, ERLEBNISSE:

Tag 1, Eisenbach – Ruhla:(Historie: Eisenach mit der Wartburg und einem Wartburg) Eisenach EMW 327die Wartburg
ICE 17757 SAARBRÜCKEN – LEIPZIG; sanftes Gleiten, leises Rumpeln. Meine Ankunftsstadt ist EISENACH der älteste Automobil-Standort Deutschlands wo durchgehend Autos gebaut werden; ab 1928 haben die „Bayerische Motorenwerke“, aus München kommend, die vorher Flugzeugmotoren herstellten, hier ihre BMW, hier ein EMW 327 (Quelle: Wikipedia, “Dirty Harry” Harald Spiegel; Danke!) gebaut. Hier wurde der WARTBURG (Danke Harald Spiegel!) hergestellt und heute werden in einer modernen Fabrik OPEL gefertigt. Mit 2 Indonesierinnen teile ich mir für günstige 15 € ein Taxi auf die WARTBURG …,

die Wartburg-koenig Wartburg mit dem Gemälde vom Sängerkrieg die Wartburg mit der Lutherkammer… rund 1000 Jahre alt, wo am 7. Juli 1207, dem Geburtstag der heiligen „Elisabeth von Thüringen“, der „SÄNGERKRIEG“  stattfand. Hier hat LUTHER 1521 die Bibel ins Deutsche übersetzt und ging zur Schule. Sebastian Bach ist hier geboren, Goethe war natürlich auch schon da.

 

 

 

Ich laufe von hier aus direkt los, der Rückweg nach HÖRSCHEL, dem Start des Rennsteigs, ist mir  zu umständlich. So führt mich der Weg durch die romantische DRACHENSCHLUCHT auf den  RENNSTEIG zur „HOHE SONNE“ wo ein ehemals feines Hotel auf die Wiedererweckung wartet. In der Imbissbude  daneben gibt es aber Getränke und die obligatorische Bratwurst. Weiter geht’s zur RENNSTEIG-BAUDE HUBERTUSHAUS, ÜF € 35, abends keine Gäste mehr. Auf der Suche nach etwas Geselligkeit steige ich ab nach RUHLA; „Ruh“-la, „nomen est omen“; wunderschöne  Fachwerkhäuser mit Lüftlmalereien und Figuren restauriert, aber auch viele alte Bauten, die vor sichDrachenschlucht hin gammeln. In der"Hohe Sonne", ehemals Vila und Hotel Pizzeria flimmert eine 4 qm große Fernsehwand, es ist zwar „WM“, aber die läuft nicht. Im  „Landgrafenhof“ ist außer einem Klassentreffen mit etwa 20 Einheimischen auch niemand, ich bin der einzige „Exote“.  Als ich die Bedienung frage, ob sie das nervige Radio abdrehen könnte, meint sie, das  wäre „eigentlich nicht nötig“. Es laufen am Tresen und im Gastraum sogar verschiedene „Programme“, die sich an den Grenzen überschneiden. „Soll doch der Umsatz sehen, wo er bleibt.“ Also gehe ich  etwa um 1/2 9 wieder hoch in mein Quartier: alles dunkel, alles zu, ich kriege also als Übernachtungsgast um diese Zeit nichts zu essen und zu trinken. Ein Glück, dass ich „unten“ was gegessen und einen Schlüssel  habe. Das einzige was hier noch brummt, als ich klingele, ist nicht der Bär, sondern der Hund, es hat aber auch dann niemand geöffnet. Das kann ja heiter werden.

 

Ochsenaugen Spiesberghaus am RennsteigTag 2, Ruhla – Großer Inselberg:
Ab jetzt, wird die Strecke richtig interessant. Bewölkt, leiser Nieselregen, für „Mutti“ zuhause knipse ich einen Blumenfleck am Wegesrand. Der GROSSE INSELBERG ist total vernebelt, man sieht nichts, also weiter bis zum SPIESSBERGHAUS so ne Art Schlösschen von vor etwa 100 Jahren, mein teuerstes Quartier in einem modern eingerichteten Hinterhaus, ÜF 39,-. Ich verbringe einen lustigen Abend bei Musik (ich, Gitarre) und Gesang mit den 3 Radlern auf dem Foto. Aaber: als ich mir beim Frühstück, es ist ausgezeichnet, ein Brötchen aufschneide, mit Butter beschmiere, etwas Salami drauflege und es wieder zuklappe, sagt die „Saalaufsicht“, eine Dame mittleren Alters, die am lustigen Vorabend nicht da war, da war eine freundliche junge Bedienung zugange,: „Won se dos Brötchen mitnähmen, missense dos bezohlen“. Mir bleibt die Spucke weg, den 3 Radlern auch. Als ich mich von dem Anpfiff erholt habe, frage ich sie nach ihrem Namen, und, ob sie die Chefin sei, was ich vermute und sie bejaht. Ich sage „Gut, dann brauche ich Ihnen nicht mehr zu schreiben.“ Bereits davor war sie übellaunig; als ich zum 2. Mal um Kaffeemilch bat, sagte sie „Sie nehmen zuviel!“ Spass ist’s nicht; sie hat nicht dabei gelacht.

Tag 3, Ruhla – Oberhof:f-re-62-wintersport-briefmarke-oberhof Oberhof mit ehem. DDR -Hotel f-re-60-oberhof-schiessstand tibetische Fahnen am Rennsteig f-re-55-possenroeder-kreuz
Der Unmut verfliegt rasch beim Gehen. Gleich kommt das älteste Denkmal am Steig, das POSSENRÖDER KREUZ. Später kommt ein Gedenkstein für einen im Tibet abgestürzten Bergsteiger, errichtet von seinen Kameraden, mit der Inschrift ”Einer geht immer voraus”.  Das berührt mich sehr. Gegen Nachmittag komme ich über die mächtige BIATHLON-SCHIESSANLAGE nach OBERHOF mit einem riesigen modernen Hotel aus DDR-Zeiten. Die blaue Marke ist aus meiner DDR-Sammlung. Ich komme gut unter im Gasthaus und Hotel „Zum Gründle“, ÜF 31,50. Im Ort ist „nix los“, die laute Radiomusik verspricht „Äkschn“ in den Lokalen, die innen aber nicht stattfindet. So verbringe ich doch noch einen netten Abend im „Gründle“ mit alten Herrschaften aus Schlesien, die hier ein Familientreffen abhalten. Glück gehabt!

f-re-64-oberhof-waldbrand-denkmal Grosser BeerbergTag 4, Oberhof – Neustadt am Rennsteig (klar, wo sonst?!):f-re-66-beerberg-panorama
Beim Abmarsch aus Oberhof passiere ich ein besonderes SOLDATENDENKMAL gewidmet den russischen (!) Soldatinnen und Soldaten, die 1947 bis 1949 nach dem großen Waldsterben durch Borkenkäferbefall infolge Windbruch Stärke 10 – 11 in einer großen Aktion beim Wiederaufforsten halfen. Nun kommt der (geographische!) Höhepunkt der Tour. Sein Gipfel liegt im unwegsamen und flachen Latschendickicht knapp abseits vom Weg, ohne Aussicht, lediglich an einem hölzernen Gerüst mit einem trigonometrischen Punkt erkennbar: der GROSSE BEERBERG. Kurz danach kommt die Entschädigung für den deftigen Aufstieg: das Panorama von „Pläckners Ausicht“. Ab BAHNHOF RENNSTEIG sind die Markierungen etwas verbesserungswürdig. Bald kommt die „SCHMÜCKE“, in den Führern als „berühmtes Wirtshaus am Rennsteig“ empfohlen. Endlich! Jedoch: Im Hof mit schöner Aussicht, Tische und Bänke, ein Kiosk für die Getränke, ein nettes Mädchen hinterm Tresen und … laute Disco-Musik dröhnt, dem musikalischen „Geschmack“ der Bedienung gemäß, aus großen Boxen. Also gehe ich rein: ähnliches Gedudel wie draußen. Vielleicht auch dasselbe. Eine schöne Tafel erzählt von „Joel“, dem Gründer. Der würde sich wohl im Grabe umdrehen. Der Wanderer wendet sich mit Grausen und kultiviert seinen Durst und seinen Hunger notgedrungen bis NEUSTADT. Ich logiere im Gasthaus „Hubertus“, ein Glückstreffer. André, der Wirt, ist auch Musikant und der „Jens“, der dort ein große Schlosserei hat, kommt dazu und … bläst die Trompete; ein lustiger Abend, den Gästen hat’s auch gefallen.

f-re-75-masserberg-schilderbaum Rennsteigwarte am Westweg Friedrichshoehe mit dem Rennsteigmuseum Tag 5, Neustadt a. R. – Neuhaus:
„Sonntag ist’s …“, 2. Juli, 12 Uhr, die Glocken läuten in MASSERBERG, der schöne Schilderbaum beweist: hinter mir sind schon 100 km, vor mir noch 70 und … ein ”Rotkäppchen” (Bild s. o.). Das habe ich mir, weil’s Sonntag  ist, und auch ansonsten, auf der aussichtsreichen Terrasse eines Cafés geleistet. Dann geht’s hoch zur RENNSTEIG-WARTE mit herrlicher Aussicht, unten eine eher zweckmäßig als romantisch eingerichtete „Rennsteigbaude“. Urige romantische Wanderhütten sind leider zunehmend selten. Ich habe in der Speisekarte mal einen Hinweis darauf hinterlasen. In FRIEDRICHSHÖHE, ein kleines Dörfchen mit einem Gasthaus, ist ein ebenso kleines „RENNSTEIGMUSEUM“. Die „Ton-Bild-Schau“ ist sehenswert, der Rest etwas dürftig für einen solch großen Namen.

Nun kommt bald der berühmte DREISTROMSTEIN wo sich die Einzugsgebiete von 3 großen Strömen, Rhein, Elbe und Weser, berühren. Lustig: in einem der zahlreichen Schutzhütten am Weg    haben Idealisten eine sog. „ERSTE-HILFE-STATION“ mit Salbe, Heftpflaster und Binden eingerichtet, ein „Jägermeister“ war leider nicht dabei. In NEUHAUS war, anders als sonst, „Betrieb“ und ich bin froh in einer Dachgeschoß-Ferienwohnung für 25,- Euro (!) noch unterzukommen. Was mich erstaunen lässt, dezent ausgedrückt; welch riesigen Tempel man dort der „Bundesanstalt fürVerfallendes schönes Schieferhaus Arbeitslose“ auch vonf-re-88-neuhaus-riesentempel meinen Abzügen undErste Hilfe-Kasten Steuern errichtete, in demDreistromstein am Westweg sich heute, und auch davor(?), fast nichts mehr  diesbezüglich bewegt. Man kann nur die Arbeitslosigkeit mit großem Aufwand „verwalten“, also auch eine Art „ABM“, Beschäftigungsmaßnahme also, jedoch sonst keine Arbeitsstelle „machen“.  Ein krasser Gegensatz zu vielen direkt am Rennsteig liegenden ehemals schmucken Siedlungshäusern mit der charakteristischen Schieferverkleidung, heute ein Mahnmal des Verfalls. Hier hätte man vielleicht das Geld und die Leute vom ”Tempel” . . .

 

Lauscha Weihnachtskugelfabrik f-re-92-brandt-schieferbruchTag 6, Neuhaus – Brennersgrün:
Bei  LAUSCHA  steht ein große Fabrik für Weihnachtskugeln, die jedoch, vor allem wegen der Konkurrenz aus Fernost, nur noch auf Sparflamme produziert, selbst hier ist also nicht immer „Weihnachten“. Auf dem  BRANDT wurde vor 100 Jahren Schiefer gebrochen, mit dem Ziegel, Fassadenplatten und Griffel hergestellt wurden. Im 2. Weltkrieg hatte dort die Gestapo eine Führungsleitstelle, zu DDR-Zeiten war es eine Jugendherberge, dann eine Gaststätte – und die ist derzeit, im Gegensatz zu den Angaben in den käuflichen Karten, siehe „Fazit“, 2), zu.  Mir geht’s gut, alles läuft super! Ab NATIONALPARK-INFOZENTRUM SPECHTSBRUNN wird die Markierung wieder gut. Variante: es kommt eine beschilderte Verzweigung: „9 km durch den Wald // 8 km entlang der Straße “ o. ä.. Die „9 km Wald“, also links rum, sind sehr abwechslungsreich,f-re-97-brennersgruen-gasthausf-re-93-schiefer-dorf mit einer  schönen Quelle. Man berührt dann manch schmuckes  Dorf. In STEINBACH AM WALD im Biergarten einer Gaststätte direkt an der Bahnlinie erlebe ich sogar handgemachte Musik von einer Elektroorgel, „Kühbord“ mag ich nicht, als Wort und als Instrument. Die Dame spielte das berühmte RENNSTEIG-LIED beim Treff des örtlichen Rennsteigvereins. Der Gesang dazu ist  etwas dünn, die “Musik” zu 80 % von der eingebauten CD. Bald kommt BRENNERSGRÜN, zu DDR-Zeiten ein „abgeschlossenes“ Dorf mit Polizei und Personenkontrolle an jeder Ausfahrt. Wenn die letzten „Werktätigen“ zuhause waren, lag das Dorf wie unter einer Glocke. In der einzigen Gaststätte „Zum grünen Wald“ finde ich eine günstige letzte Unterkunft, ein gutes und preisgünstiges Essen und –  abends Gaudi bis zum Abwinken. Die Wirtin, Yvetta, aus Böhmen kommend, mit rrrollendem „r“ in der Sprache und allen leiblichen Genüssen sichtlich zugetan, hielt munter mit. Ende gut – alles gut!

Tag 7, der letzte, Brennersgrün – Blankenstein:
Am Abstieg nach BLANKENSTEIN  naht der Abschied vom Rennsteig; die Gemarkung heißt bedeutungsschwer „AB(ge-)SANG“. Gleich im „Café am Rennsteig“ finde ich eine gute letzte Unterkunft vor der  Heimfahrt. Zum Dämmerschoppen empfehle ich jedoch, da in Blankenstein „nix los“ ist, das idyllisch im Wald gelegene Gasthaus  beim “Friedrich-Wilhelm-Stollen, **** , mit dem daneben gelegenen wunderschönen  HÖLLENTALBAHN-MUSEUM,  das auch einen Abstecher wert ist.

f-re-grenzstein-gitarre f-re-blankenstein-ende-rennsteigRennsteig mit Aussicht und FingerhutFAZIT:
Der RENNSTEIG „renn-tiert“  sich! Er ist aussichtsreich, mit viel Mischwald und Flecken mit  Blumen, vielen schönen alten Grenzsteinen (hier mit meinem einzigen Stück Gepäck; es ist gerade „WM“) geschichtsträchtig und vor allem für „Westler“ wie mich aufschlussreich, was die jüngere „DDR“-Vergangenheit betrifft. Dass er bisher nicht als “PREMIUMWEG”  “zertifiziert” wurde, sollte niemanden abhalten. Das sind Sterne, * * * , die Geld kosten, anders als die vom Michelin, der die “zertifizierten” nichts kostet und – zu recht – hoch angesehen ist.

 

Nachtrag: Inzwischen (2007) hat auch der Rennsteig sein “Premium”. Hoffentlich hat es ihm nicht geschadet, denn es gab ihn schon vor 100 Jahren, als man solche Schmarren, Pardon, noch nicht kannte.

Erstellt: 12. September 2006